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Autorenverzeichnis: Glaser, Georg K.

Name: Glaser, Georg K.
Biographie: 30.5.1910 in Guntersblum/Rheinhessen, gest.18.1.1995 in Paris. War Kunstschmied und Schriftsteller (Erzählungen, Romane, Drama) Wurde als Sohn eines zum Postbeamten aufgestiegenen Schusters in Guntersblum geboren. Wuchs in einer Familie mit acht Kindern im benachbarten Dolgesheim auf. Besuch der Volksschule in Worms ab 1916. Lief mit 14 vor der Brutalität des Vaters von zu Hause weg, trieb sich auf Landstraßen und in Städten herum und wurde wiederholt in Fürsorgeheime gesteckt. Wurde als unverbesserlich entlassen, noch bevor er volljährig war. Bei anarchistischen und kommunistischen Jugendverbänden fand Glaser Anschluß und Anerkennung. Ende der 20er Jahre trat Glaser der KPD bei. 1929 kam er wegen Landfriedensbruchs ins Gefängnis, wo er zu schreiben begann: erste Skizzen, Reportagen und Erzählungen, die in der "Frankfurter Zeitung" und in der "Linkskurve" errschienen, einem Organ des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Glaser war Gerichtskorrespondent für die KPD, dann Arbeiter in verschiedenen Industriezweigen. Seine erster Roman "Schluckebier" (1932) über die Jugend eines Fürsorgezöglings brachte ihm die Anerkennung von Walter Benjamin und Siegfried Kracauer. Bekanntschaft mit Anna Seghers, Arthur Koestler, Egon Erwin Kisch und Johannes R. Becher. Ging als Mitglied der KPD nach "Hitlers Machtergreifung" am 30. Januar 1933 in den Untergrund, arbeitete im Widerstand. Floh 1935 ins noch freie Saarland. Nach der Saarabstimmung für Nazideutschland 1935 Flucht nach Frankreich, wo er Asyl und Arbeitserlaubis erhielt. Arbeitete bis 1939 bei der Französischen Staatsbahn in der Normandie, heiratete eine Französin. Begenungen mit Partei-Schrifstellern im französischen Exil beschleunigten den Bruch mit der kommunistischen Partei, ebenso die stalinistischen Greueltaten und der Hitler-Stalin- Pakt. 1939 als französischer Staatsbürger zum Militärdienst in Le Havre eingezogen. Geriet 1940 in der Normandie unter falschem Namen in deutsche Kriegsgefangenschaft. Wurde zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Konnte 1943 fliehen, als man seiner wahren Identität auf die Spur kam. Tauchte für den Rest des Krieges in Deutschland unter, versteckt von früheren Genossen der KPD. 1945, nach Kriegsende, Rückkehr nach Paris. Arbeitete am Fließband bei Renault, in den Zuckerwerken Say und in anderen Betrieben. Er engagierte sich in der deutsch-französischen Arbeiterbewegung. 1949 gründete er eine Schmiedewerkstatt in Saint-Germain-de-Prés. 1968 Umzug in den Stadtteil Marais nahe der Place de la Bastille, wo er mit seiner Frau Anne als "Dinandier" (Kupfer- und Silberschmied) arbeitete. In seinen Schmiedewerkstätten ließen sich Albert Camus sehen und Walter Mehring, Paul Celan und sehr häufig Carlo Schmid.
Gruppen und Preise: Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz 1992, Preis der Deutschen Schillerstiftung Weimar 1992, Johanna-Kirchner-Medaille der Stadt Frankfurt am Main 1994, Pfalzpreis für Literatur 1994. Seit 1998 verleihen das Ministerium für Kultur, Jugend, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz und der Südwestfunk jährlich den "Georg-K.-Glaser- Preis".
Bibliographie: Schluckebier. Berlin, Wien 1932 (Neuausgabe Berlin 1979; Neuausgabe Basel/Frankfurt am Main 1995). - Geheimnis und Gewalt. Ein Bericht. 2 Bände. Basel, Lausanne, Zürich 1951 (Neuausgabe Stuttgart, Hamburg 1953; Lizenzausgabe Frankfurt am Main, Zürich 1955; Gekürzte Taschenbuchausgabe Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1956; Neuausgabe Hamburg, Düsseldorf 1969; Taschenbuchausgabe mit neuem Untertitel "Der autobiographische Bericht eines Einzelkämpfers", Reinbek 1983; vollständige Neuausgabe Basel/Frankfurt am Main 1989, 2. Auflage 1990). - Die Geschichte des Weh. Erzählung. Hamburg, Düsseldorf 1968. - Aus der Chronik der Rosengasse und andere kleine Arbeiten. Texte aus den Jahren 1931 - 1971. Berlin, Bonn 1985. - Jenseits der Grenzen. Betrachtungen eines Querkopfs. Hamburg, Düsseldorf 1985 (vollständige Neuausgabe Basel/Frankfurt am Main 1989). Literatur: Allgemein: Georg K. Glaser: Zeuge seiner Zeit. Schmied, Schmied und Schriftsteller 1910 - 1995 Paris. Herausgegeben von KD Wolff, Volker Gallé, Dorette Staab und Busso Diekamp. Basel, Frankfurt am Main 1997. Zu "Schluckebier": Siegfried Kracauer: Jugend in dieser Zeit. In: Frankfurter Zeitung, 5.2.1933. Zu "Geheimnis und Gewalt": Erich Kuby: Geheimnis und Gewalt. In: Süddeutsche Zeitung, 31.12.1951. - Erich Kuby: Georg K. Glaser. In: Die Literatur, 1.10.1952. - Karl August Horst: Deutsche Nachkriegsromane. In: Merkur, 1952, H. 12, S.1185-1192. - Rolf Schroers: Im Maelstrom. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.9.1953. - Peter Härtling: Vergessene Bücher. Stuttgart 1966, S. 206-209 (Neuauflage Karlsruhe 1983). - Uwe Schweikert: "Geheimnis und Gewalt". Eine Einladung, Georg K. Glaser zu lesen. In: Frankfurter Rundschau, 31.5.1980. - Agnes Hüfner: Zum achtenmal. In: Süddeutsche Zeitung, 30.8.1989. - Günter Kunert: Geheimnis und Gewalt. Georg K. Glasers Jahrhundertbuch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.9.1989. - Erich Kuby: "Geheimnis und Gewalt". In: Konkret Nr.10, 1989. - Dietrich Leder: Schrecken aus zwei Jahrzehnten. In: Kölner Stadt Anzeiger, 30.1.1990. Zu "Rosengasse": Helmut Mörchen: Rosengasse. In: Frankfurter Hefte/Neue Gesellschaft. Heft 6, 1985. Zu "Jenseits der Grenzen": Michael Rohrwasser: Schreien, wenn man dir wehtut. In: Badische Zeitung, 12./13.4.1986. Gesamtwerk: Peter Dahl/Rüdiger Kremer: Weil ich Arbeiter bin und weil ich schreiben kann. In: dies., Lebensgeschichten. Zehn Interviews über Biographisches, Zeitgeschichte und die Rolle des Schreibens. Bornheim 1981, S. 19-40. - Thomas B. Schumann: Wörter- und Silberschmied. Ein Porträt zum 75. Geburtstag eines zu Unrecht vergessenen Autors. In: Die Zeit, 31.5.1985. - Rainer Zimmer: Die Verherrlichung des Kunsthandwerks. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.1.1986. - Hellmut Jaesrich: Die besten Einfälle kamen ihm im Café Mabillon. In: Die Welt, 7.2.1986. - Michael Rohrwasser: Grenzüberschreitung. In: Frankfurter Hefte/Neue Gesellschaft H. 5, 1986. - Stephan Reinhardt: Denkende Hände. In: Süddeutsche Zeitung, 7.5.1986. - Uwe Schweikert: Jenseits der Grenzen. In: Frankfurter Rundschau, 3.5.1986. - Agnes Hüfner: Eine Flucht in die Sprache. In: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 30.3.1986. - Peter Mosler: Mit mir nicht. Über den Schriftsteller Georg Glaser. In: die tageszeitung, 7.6.1986. - Hans Daiber: Es hat sich gelohnt. Georg Glaser zieht die Bilanz seines Lebens. In: Rheinischer Merkur/Christ und Welt, 4.7.1986. - Dagmar Sinz: Diogenes mit dem Schmiedehammer. Georg K. Glasers Weg von Guntersblum nach Paris. In: Dokumente, Heft 5, 1986. - Michael Rohrwasser: Artikel "Georg Glaser". In: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, München 1988. - Jürgen Serke: "Wir waren alle von derselben Gewalt besiegt". In: Die Welt, 9.4.1990. - Jürgen Serke: Heimkehr ins Rheinhessische. In: Die Welt, 10.4.1990. - Jürgen Serke: "Der Schuft kann schreiben". In: Die Welt, 11.4.1990. - Jürgen Serke: Jockel - die menschenlose Tat. In: Die Welt, 12.4.1990. - Michael Rohrwasser: Betrachtungen eines Querkopfs. Zum 80. Geburtstag von Georg Katharina Glaser am 30. Mai. In: Volkszeitung, 1.6.1990. - Michael Trabitzsch: "Ich wollte in die Höhle, in den Rachen des Löwen". Gespräch mit Georg K. Glaser. In: Volkszeitung, 12.10.1990. - Alexander Smoltczyk: Der Schmied als Erzähler. In: die tageszeitung, 22.3.1991. - Jörg Rheinländer: Der Schriftsteller als Zeuge vergangener Zeiten. In: Frankfurter Rundschau, 6.12.1991. - Dagmar Sinz: Auf der Suche nach Vaterland und Muttersprache. Zum Tod des Exilschriftstellers Georg K. Glaser. In: Neue Zürcher Zeitung, 21.1.1995. - Michael Rohrwasser: Dichter aus der Schmiede. Zum Tod von Georg K. Glaser. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.1.1995. - Agnes Hüfner: Mit mir nicht! Nachruf auf den Schriftsteller Georg K. Glaser. In: Süddeutsche Zeitung, 23.1.1995. - Günter Kunert: Leben als Historie. Zum Tode von Georg K. Glaser. In: Die Welt, 23.1.1995. - Uwe Schweikert: Zeuge des Jahrhunderts. Zum Tod von Georg K. Glaser. In: Frankfurter Rundschau, 23.1. 1995. - Schuldt: Der letzte Dickschädel. Zum Tod von Georg K. Glaser. In: Die Zeit, 27.1.1995.


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